SOS Vergessene Pfoten, Tierschutz, Tierschutzhund Devin

Ein neuer Hund zieht ein - Teil 1

Am 16. Februar 2025, vier Monate nachdem wir unseren Charly gehen lassen mussten, waren wir erneut bei SOS Vergessene Pfoten e.V. in Hagen. Wir hatten an diesem Sonntag ein Date mit Devin, einem circa eineinhalbjährigen Rüden.

Mitte Januar war auch ich endlich sicher, dass ein neuer Hund in unser Leben gehörte. So schauten wir immer mal wieder im Internet nach passenden Fellnasen aus den umliegenden Tierheimen und informierten uns auf der Internetseite des oben genannten Tierschutzvereines. An erster Stelle auf der Homepage von SOS Vergessene Pfoten, entdeckte ich irgendwann Devin. Es hieß, dass er bereits vermittelt war, aber aus persönlichen Gründen nun doch nicht bei der neuen Familie bleiben konnte. "Ach, wie traurig", dachte ich, "aber er wird schon noch das richtige Zuhause finden". Dass Devin unser neues Familienmitglied werden könnte, daran dachten zu dieser Zeit weder mein Freund noch ich. 

Die nächsten Wochen blieb Devins Status auf der Internetseite unverändert. Nun schaute ich ihn mir etwas näher an und ich fragte mich, ob er eventuell auf uns wartete :-). Mein Freund war der gleichen Meinung und so schickte ich eine Anfrage für Devin los. Schnell kam ein Anruf der Pflegestelle, auf der Devin zur Zeit lebte. Wir erfuhren nähere Details über ihn und verabredeten uns für ein persönliches Kennenlernen vor Ort von SOS Vergessene Pfoten.

Am Sonntag, dem 16. Februar 2025 war es dann soweit. Wir wurden freundlich von Thorsten, meinem Telefonpartner der Pflegestelle empfangen und direkt zu Devin ins Außengehege geführt. Wir erlebten einen energiegeladenen und freundlichen Hund. Wir wussten bereits, dass Devin Menschen gegenüber eher vorsichtig bis ängstlich ist. Besonders bei Männern, so sagte man uns, sei er sehr misstrauisch. Natürlich hatten wir leckeres Bestechungsmaterial dabei und in dem großzügigen Außengehege zeigte sich Devin recht zugänglich. Wir nahmen ihn auf einen kleinen Spaziergang mit und alles fühlte sich absolut richtig und passend an. Wir bemerkten schnell, dass Devin ein sehr sensibler und geräuschempfindlicher Hund ist. Aber wir wussten auch, dass er bei uns die nötige Ruhe und Geduld bekam, um sich zu entspannen. Für uns war also schon während des Spaziergangs klar ... wir würden ihn zu uns nehmen wollen.

Nachdem wir Devin wieder an Thorsten übergeben hatten und uns unterhielten, drückte sich Devin fest an mich. Er hatte sich also auch entschieden, so schien es. Für Dali, der ersten Vorsitzenden des Tierschutzvereins, war auch alles stimmig und so konnten wir direkt alle nötigen Papiere unterschreiben und Devin mit uns nehmen. Er sprang, ohne groß zu zögern zu mir auf die Rückbank des Autos und lies sich anschnallen. Während mein Freund den Motor startete und langsam losfuhr, rückte Devins zitternder Körper immer näher zu mir. Ich flüsterte ihm ein paar Worte zu und legte meine Hand auf seinen Körper. Langsam wurde er ruhiger und entspannte.

Zuhause angekommen, gingen wir mit Devin zunächst ein paar Bäumchen ab, so dass er sich entleeren konnte. Nun ging es in unsere Wohnung. Große Unsicherheit machte sich bei Devin breit. So zugänglich er auch draußen meinem Freund gegenüber war, so ängstlich war er plötzlich. Er verhielt sich wie ein schwer traumatisierter Hund, der einen großen Sicherheitsabstand brauchte und jede Bewegung meines Freundes misstrauisch beobachtete. Bei mir fühlte er sich zum Glück sicher und wich mir nicht mehr von der Seite. Wie ein Schutzschild fungierte ich – das war doch zumindest eine gute Basis um eine Brücke des Vertrauens auf allen Seiten zu bilden.

Nun hatten wir bereits Abend und Devin lag recht entspannt und mit gut gefülltem Bauch bei mir auf dem Sofa. Vor der Nacht ging's noch mal kurz mit ihm nach draußen. Danach legte er sich wieder zurück auf seinen "sicheren" Sofaplatz, während sich mein Freund bereits im Bad für's Bett fertig machte. Die ganze Nacht horchte ich mit einem Ohr nach Devin und bekam kein Auge zu. Er hingegen blieb mucksmäuschenstill auf seinem Plätzchen und schlief die ganze Nacht durch. 

Ausgeschlafen kam er am nächsten morgen um 5.15 Uhr freudig zu mir ans Bett und drückte seine riesige Nase in mein Gesicht. Ich begrüßte ihn kurz und er merkte, dass noch nicht unsere Zeit war. Um 5.40 Uhr ging dann der Wecker und Devin kam erneut, um mich und auch meinen Freund freundlich in Empfang zu nehmen. Doch sobald mein Freund in der Wohnung unterwegs war, flüchtete Devin und rutschte dabei so heftig über's Laminat, dass er dabei gegen zwei Schränke prallte. Sobald ich hinzu kam, suchte er bei mir Schutz. Sehr merkwürdig, denn mein Freund wusste sehr gut mit sensiblen Hunden umzugehen und vermittelte Devin eindeutig, dass der Fokus keineswegs auf ihm lag.

Als mein Freund bereits zur Arbeit aufgebrochen war, machte ich mich gegen 7.00 Uhr mit Devin auf den Weg durch sein neues Revier. Mit 3-Meter-Leine und Sicherheitsgeschirr, lies ich ihn laufen und beobachtete zunächst seine Aktionen. Seinen Stress äußerte er, indem er rastlos durch die Gegend lief und nahezu alles vom Boden aufnahm und zerkaute. Das ging natürlich nicht und so stieg die Unruhe mit jeder Ermahnung meinerseits. Der erste Gassigang dauerte ungefähr eine halbe bis dreiviertel Stunde. Das sollte für's Erste reichen. Wieder zuhause angekommen, frühstückten wir und Devin kam (leider nur kurz) zur Ruhe. Schnell machte sich sein Stress wieder bemerkbar. Er schaute sich näher bei uns um und hielt nach Dingen Ausschau, an denen er sich auslassen konnte. Ich bot ihm Kauspielzeug (für Extremkauer) an, welches er innerhalb kürzester Zeit zerstörte. Ich setzte mich immer wieder zu ihm und streichelte ihn in die Ruhe. Er folgte mir auf Schritt und Tritt und lies mich nicht aus den Augen. Er tat alles dafür, um meine Aufmerksamkeit zu bekommen. Mittags ging ich dann eine etwas größere Runde mit Devin. Und wieder das gleiche Spiel, er überdrehte sehr schnell, verspeiste zahlreiche Pferdeäpfel und kaute etliche Stöckchen kaputt. Nachmittags kam er dann besser zur Ruhe und schlief endlich etwas.

Abends, nachdem mein Freund die Wohnungstür aufschloss und in den Flur trat, stand Devin die nackte Panik ins Gesicht geschrieben. Erneut wurde ich zu seinem sicheren Hafen. Nichts konnte Devin davon überzeugen, dass ihm gerade keine Gefahr drohte. Devins Futter wurde an diesem Abend von meinem Freund bereit gestellt, doch solange er sich in der Küche aufhielt, betrat Devin diese nicht. Erst als mein Freund in einer anderen Ecke der Wohnung still saß, wollte Devin gemeinsam mit mir in die Küche gehen und fressen. Später als wir alle im Wohnzimmer zur Ruhe kamen, entspannte sich Devin zwar wieder, verfolgte allerdings erneut jede Bewegung meines Freundes mit großem Misstrauen. Die Nacht war wieder ruhig, Devin schlief wie zuvor tief und fest auf dem Sofa.

Das war der Anfang eines Neubeginns für Devin und uns. Aufregend und herausfordernd, aber auch ebenso schön, wieder eine Fellnase um sich zu haben.

Wie die ersten zwei bis drei Wochen dann weiter verliefen, erfahrt ihr in Teil 2.

Fotos: © SOS Vergessene Pfoten e.V. (Aufnahmen aus Bosnien), Text: Sandra Ullrich

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